Ratgeber
Überstunden erfassen: Anleitung für HR & Schichtbetrieb

Kurzantwort: Überstunden erfassen heißt: Arbeitszeit über der vertraglichen Sollzeit täglich dokumentieren, freigeben und mindestens zwei Jahre aufbewahren — auf Basis des BAG-Urteils zur Zeiterfassung (2022) und des ArbZG. Im Schichtbetrieb brauchst du Plan-Ist-Vergleich, klare Freigaben und einen Export zur Lohnabrechnung; der Ablauf läuft in fünf Schritten (Plan → Ist → Freigabe → Saldo → Export). Stand: September 2026.
Du richtest Prozesse ein, vergleichst Excel mit Software oder prüfst, ob Salden im Arbeitszeitkonto stimmen? In diesem Leitfaden geht es um den Prozess — wer bucht was, wann freigegeben wird und wie die Daten in die Abrechnung fließen.
Rechte, Definitionen und Vergütung klärst du im Lexikon Überstunden; die allgemeine Zeiterfassungspflicht im Ratgeber Zeiterfassung Gesetz. Im Schichtbetrieb zählen vor allem Plan-Ist-Abweichungen, mobile Buchung und Freigaben vor dem Monatsabschluss.
Warum musst du Überstunden erfassen?
Ohne Nachweise weißt du nicht, ob Arbeitszeit- und Pausengrenzen eingehalten werden — und du riskierst Streit über Vergütung oder Überstundenabbau. Seit dem BAG-Urteil von 2022 dokumentierst du als Arbeitgeber Beginn, Ende und Pausen systematisch; daraus folgt praktisch auch die Pflicht, Mehrarbeit und Überstunden nachvollziehbar zu halten.
Die Aufzeichnungen musst du mindestens zwei Jahre aufbewahren (Frist ab Ende des Entstehungsjahres). Zusätzlich verlangt § 16 Abs. 2 ArbZG die Dokumentation von Arbeitszeit über acht Stunden werktäglich — in der Praxis erfasst du Über- und Mehrarbeit im selben System wie Beginn, Ende und Pausen.
Bei Verstößen gegen die Dokumentation drohen Bußgelder nach ArbZG — Details und Checkliste im Ratgeber Zeiterfassung Gesetz. Für Schichtbetriebe in Gastronomie, Gesundheitswesen oder Einzelhandel ist das besonders relevant, weil Pläne und Ist-Zeiten oft auseinanderlaufen.
Auch der Betriebsrat hat ein Interesse an nachvollziehbaren Zeiten — bei Einführung digitaler Systeme gelten Mitbestimmungsregeln. Diskussionen um ein eigenes „Arbeitszeiterfassungsgesetz“ ändern an der Pflicht wenig: Du musst weiterhin objektiv erfassen, was gearbeitet wurde — inklusive Mehrarbeit über Soll und tägliche Höchstgrenzen. Hintergrund und Bußgelder findest du im Ratgeber Zeiterfassung Gesetz; hier fokussieren wir den Überstunden-Teil deines Ist-Bildes. Kurz zum Begriff: Arbeitszeiterfassungsgesetz im Lexikon.
Was zählt als Überstunde — kurz erklärt
Überstunden sind Stunden über der im Vertrag vereinbarten Arbeitszeit — unabhängig davon, ob sie angeordnet oder freiwillig geleistet wurden. Sie unterscheiden sich von Mehrarbeit (Überschreitung gesetzlicher Höchstarbeitszeiten). Wer zahlt, ob Freizeitausgleich möglich ist und wann du auszahlen musst, regeln Vertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung.
Für Anordnung, §615 BGB oder Kündigung reicht hier der Verweis auf den Lexikon-Artikel Überstunden — dieser Ratgeber bleibt bei Erfassung und Abrechnungsprozess.
Praktisch trennst du in der Erfassung drei Kategorien: reguläre Arbeitszeit, Überstunden (über Soll) und gesonderte Zeiten (z. B. Reisezeit, wenn vertraglich als Arbeitszeit definiert). Je klarer die Stundenarten im System, desto weniger manuelle Korrekturen in der Lohnabrechnung.
Mehrarbeit (z. B. Arbeitstag >10 Stunden nach ArbZG) solltest du zusätzlich markieren — auch wenn sie nicht jede vertragliche Überstunde ist. So erkennst du Compliance-Risiken früh und trennst sie von rein vertraglichen Plus-Stunden im Export zur Lohnabrechnung.
Wer ist für die Überstundenerfassung verantwortlich?
Die rechtliche Verantwortung trägt der Arbeitgeber — auch wenn Beschäftigte selbst stempeln. Führungskräfte prüfen Plausibilität, HR sorgt für Export und Archivierung, Lohnbuchhaltung setzt Entgelt um. In kleinen Betrieben übernimmt oft eine Person mehrere Rollen; dann ist eine schriftliche Zuständigkeitsliste wichtig, damit bei Urlaub oder Krankheit nichts liegen bleibt.
Bei Einführung neuer Software: Schulung, Testphase mit Stichproben und klare Korrekturregel (wer darf nachträglich ändern, bis wann?). Der Ratgeber Arbeitszeiterfassung Pflicht ergänzt die organisatorische Umsetzung der Dokumentationspflicht — hier geht es um den Überstunden-Teil des Ist-Bildes.
- Beschäftigte: Ist-Zeiten und Pausen buchen, Abweichungen melden.
- Schichtleitung / Teamleitung: Planänderungen, Freigabe ungeplanter Mehrarbeit, wöchentliche Plausibilität.
- HR / Personal: Prozess, Schulung, Export, Aufbewahrung, Stichproben vor dem Lohnlauf.
- Lohnbuchhaltung: Entgelt, Zuschläge, Auszahlung oder Abbuchung aufs Konto — nur mit freigegebenem Export.
- Geschäftsführung: Haftung, Budget für Ausgleich oder Auszahlung, Eskalation bei dauerhaft hohen Salden.
Trenne klar zwischen Dokumentation (Zeiterfassung, 2 Jahre Archiv) und Entgeltabrechnung (monatlich). Beide müssen zusammenpassen, aber nicht dieselbe Person muss alles erledigen — Schnittstellen und Fristen sollten schriftlich stehen.
Schritt für Schritt: Überstunden im Betrieb erfassen
Ein belastbarer Prozess funktioniert in fünf Schritten — unabhängig davon, ob du Stundenzettel, Excel oder eine App nutzt:
- Planen: Soll-Zeiten aus Schichtplan oder Personaleinsatzplanung exportieren.
- Erfassen: Ist-Zeiten mit Beginn, Ende und Pausen buchen — Beschäftigte dürfen selbst erfassen, du bleibst verantwortlich.
- Freigeben: Führungskraft oder HR prüft Ausreißer (fehlende Pause, >10 Std., ungeplante Mehrarbeit).
- Salden führen: Überstunden im Arbeitszeitkonto oder gleichwertiger Liste (Plus/Minus-Stunden).
- Exportieren: Monatlicher Datensatz zur Lohnabrechnung — inkl. Zuschläge bei Nachtarbeit oder Sonntagsarbeit, falls vereinbart.
In Teams mit wechselnden Schichten lohnt sich eine Regel: Mehrarbeit nur nach dokumentierter Freigabe (Chat, Ticket, Planänderung). So trennst du genehmigte von ungeplanten Stunden und reduzierst spätere Korrekturen.
Minutengenauigkeit und Rundungsregeln
Für die Überstundenerfassung gilt: Buch die Ist-Zeit so genau, wie dein System es kann — meist minutengenau. Rundung (z. B. auf 15 Minuten) darfst du für die Lohnabrechnung vereinbaren, aber nur einheitlich in Vertrag, Handbuch und Software. Wenn Excel auf Viertelstunden rundet und die Lohnabrechnung auf Zehntel, entstehen systematische Differenzen von ein bis zwei Stunden pro Monat und Team.
Lege fest, ob du an- und abrundest oder nur abrundest, und ob Pausen vor oder nach der Rundung gezogen werden. Dokumentiere Ausnahmen (z. B. Rufbereitschaft nur anteilig) als eigene Stundenart — nicht als manuelle Korrektur in der letzten Excel-Spalte.
Freigabe-Workflow in der Praxis
Eine belastbare Freigabe braucht drei Felder: Wer hat Mehrarbeit angeordnet oder bestätigt, wann (Zeitstempel) und warum (Ausfall, Peak, Kundenauftrag). Schichtleitung oder Teamleitung bestätigt wöchentlich; HR prüft monatlich Stichproben auf fehlende Pausen und >10-Stunden-Tage nach ArbZG.
Ohne Freigabe solltest du ungeplante Plus-Stunden nicht automatisch ins Arbeitszeitkonto übernehmen — sonst zahlst du später für Stunden, die nie beauftragt wurden. Ein einfaches Eskalationsmodell reicht: Rückfrage an Beschäftigten → Teamleitung → HR → Lohnbuchhaltung, jeweils mit Frist (z. B. fünf Werktage vor Monatsabschluss).
Überstunden erfassen im Schichtbetrieb
Im Schichtbetrieb entstehen Überstunden oft durch Ausfälle, Peak-Zeiten oder kurzfristige Aufträge — nicht nur durch „länger bleiben“. Dein Erfassungsprozess muss deshalb Schichtmodell und Ist-Überlappungen abbilden können.
Vergleiche täglich oder wöchentlich geplante mit gebuchten Stunden pro Team — nicht nur am Monatsende. Abweichungen über einer Schwelle (z. B. 30 Minuten pro Schicht) sollten automatisch zur Freigabe landen, bevor sie im Arbeitszeitkonto summieren.
Planänderungen dokumentieren
Wenn eine Schicht verlängert oder eine Zusatzschicht eingetragen wird, reicht nicht die mündliche Absprache. Halte die Änderung im Plan-System oder im Schichtplan fest (Version, Zeitstempel, Verantwortliche). So lässt sich später nachvollziehen, ob Mehrarbeit angeordnet war — wichtig, wenn Beschäftigte später Auszahlung oder Abbau anfechten.
Deskless Teams und mobile Erfassung
Wer nicht am PC arbeitet, braucht Smartphone-Terminal, Tablet in der Filiale oder einen einfachen Stempel-Prozess. Pausen musst du auch mobil buchen können — sonst entstehen scheinbare Überstunden, weil die Pause in der Auswertung fehlt. Teste Offline-Szenarien (Keller, Küche ohne Empfang): Nach Sync dürfen keine doppelten oder fehlenden Buchungen entstehen.
Übergaben zwischen Schichten
Bei Schichtwechsel ohne klare Endzeit („wir machen noch schnell zu“) entstehen Grauzonen. Definiere eine Regel: Wer die Übergabe verlängert, bucht die Mehrzeit aktiv; Schichtleitung bestätigt wöchentlich. Optional: Kurz-Code im System (z. B. „Übergabe +20 Min“) statt freier Text — erleichtert Auswertungen beim Überstunden erfassen über mehrere Teams.
Methoden: Papier, Excel und Software
Gesetzlich zulässig sind Papier, Excel und Software — entscheidend sind Objektivität, Nachvollziehbarkeit und sichere Aufbewahrung. Für sehr kleine Teams kann ein Stundenzettel reichen, wenn du Stichproben und Archivierung organisierst.
| Methode | Vorteile | Risiken |
|---|---|---|
| Papier / Stundenzettel | Niedrige Einstiegshürde | Verlust, nachträgliche Änderungen schwer belegbar |
| Excel | Flexibel, günstig | Formelfehler, keine Echtzeit-Salden |
| Zeiterfassungs-Software | Plan-Ist, App, Export, Schichtbetrieb | Einführung, Datenschutz (AV-Vertrag) |
Ab etwa 15–20 Beschäftigten oder mehreren Standorten wird Digitalisierung in der Praxis fast Pflicht — nicht wegen eines separaten „Überstunden-Gesetzes“, sondern wegen Fehlerquote und Prüfbarkeit. Ein Überblick für Kleinbetriebe: digitale Zeiterfassung für Kleinbetriebe.
Wechselst du von Papier oder Excel auf Software, plane eine Parallelphase von mindestens einem Abrechnungsmonat: Altes und neues System laufen gleichzeitig, HR vergleicht Salden. Migriere nur Stundenarten, die du wirklich brauchst (Regel, Überstunde, Zuschlag, Krank) — zu viele Kategorien verwirren Beschäftigte und bremsen die Freigabe. Schnittstellen zur Lohnabrechnung (CSV, DATEV, API) testest du vor dem Go-live, nicht am 25. des Monats.
Für Büroteams reicht oft Zeiterfassung am PC; im Schichtbetrieb zählen App, Terminal und Plan-Anbindung. Entscheidend bleibt der Prozess aus den fünf Schritten oben — ob mit Excel, Spezial-App oder einer Plattform wie Ordio, die Schichtplan und Zeiterfassung verbindet und Plan-Ist-Abweichungen früh sichtbar macht.
Datenschutz: Bei Cloud-Lösungen brauchst du einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV), klare Rollen (wer darf korrigieren?) und Information der Beschäftigten. Exporte für die Lohnabrechnung sollten nur die nötigen Felder enthalten — nicht das gesamte Bewegungsprofil.
Von der Erfassung zur Abrechnung
Erfasste Überstunden werden in der Regel mit dem normalen Entgelt vergütet, sofern nichts anderes vereinbart ist. Für die Höhe nutzt du den vertraglichen Stundenlohn — grob prüfen kannst du mit dem Stundenlohnrechner. Bei Auszahlung statt Freizeitausgleich hilft der Überstunden-Auszahlen-Rechner.
Zuschläge: Für Nacht-, Sonn- oder Feiertagsarbeit können Zuschläge anfallen; steuerfreie Anteile berechnest du mit dem Zuschlagsrechner — Details im Ratgeber Zuschläge berechnen. Der Lohnbuchhalter braucht einen eindeutigen Export (Stundenart, Datum, Zuschlag, Projekt/Kostenstelle).
Ohne saubere Schnittstelle zwischen Zeiterfassung und Lohnbuchhaltung entstehen die häufigsten Fehler: doppelte Buchungen, vergessene Pausen oder Überstunden, die nie abgebaut werden. Ein monatlicher Abgleich zwischen Plan, Ist und Lohnabrechnung ist deshalb Pflicht — nicht Kür.
Beispiel Monatsabschluss: HR zieht den Export „Überstunden & Zuschläge“ → Lohnbuchhaltung gleicht mit Vertrag (Vergütung, Freizeitausgleich) ab → Abweichungen gehen zurück an Schichtleitung mit Datum und Namen → Korrekturen werden im System mit Kommentar gebucht, nicht still in Excel überschrieben.
Rechenbeispiel (vereinfacht): Vertragliche Arbeitszeit 8 Stunden, gebucht 09:00–18:00 mit 45 Minuten Pause → 8,25 Stunden Ist-Zeit. Soll 8 Stunden → 0,25 Stunden Überstunde (15 Minuten). Bei 20 €/h Entgelt sind das 5 € brutto vor Zuschlägen — im Überstunden-Auszahlen-Rechner nachrechnen. Liegen Nachtarbeit oder Sonntagsstunden vor, kommen Zuschläge zusätzlich; Stundenart im Export trennen.
Bei Teilzeit oder wechselnden Soll-Stunden pro Woche musst du das Soll pro Tag aus dem Plan ziehen — eine pauschale „8h für alle“-Zeile in Excel reicht dann nicht. Gleiches gilt für Gleitzeit: Plus- und Minusstunden laufen im Konto, Überstunden entstehen nur oberhalb der vereinbarten Bandbreite.
Wenn Überstunden mit dem Gehalt pauschal abgegolten sein sollen, muss das wirksam im Vertrag stehen — pauschale Klauseln sind streitanfällig. Die Erfassung bleibt trotzdem sinnvoll, um ArbZG-Grenzen und Gesundheitsschutz zu prüfen; Details im Lexikon Überstunden.
Freizeitausgleich oder Auszahlung?
Ob du Überstunden auszahlst oder per Freizeitausgleich abbauen darfst, steht im Vertrag oder Tarif — nicht im Erfassungssystem allein. Ohne Vereinbarung ist Auszahlung oft der Standard; Freizeitausgleich braucht eine klare Regel und realistische Planung der Ausfallzeiten.
Fristen, Abbauwege und Streitfälle behandelt der Lexikon-Eintrag Überstundenabbau. Dein Erfassungsprozess sollte deshalb nicht nur Plus-Stunden zählen, sondern auch dokumentieren, wann Freizeitausgleich genommen wurde.
Praktisch hilft eine einfache Regel: Jede ausgezahlte oder abgebaute Stunde braucht einen Datensatz (Datum, Stundenart, Freigabe). So siehst du im Arbeitszeitkonto nicht nur „+12“, sondern die Bewegungshistorie — wichtig bei Betriebsprüfung und internen Audits.
Auszahlung: HR exportiert freigegebene Überstunden mit Stundenlohn und Zuschlägen; Lohnbuchhaltung bucht im Folgemonat. Freizeitausgleich: HR plant Ausfall im Dienstplan und bucht Abbau als negative Überstunden oder separaten Abbau-Typ — beides braucht dieselbe Freigabe wie die Entstehung. Bei hohen Salden sprich früh mit Schichtleitung und Beschäftigten, nicht erst bei Kündigung.
Ohne erfasste Stunden fehlt die Grundlage für saubere Auszahlung oder Abbau — deshalb zählt der Prozess aus dem Abschnitt „Von der Erfassung zur Abrechnung“ auch hier.
Typische Fehler bei der Überstundenerfassung
- Pausen nicht buchen — scheinbar mehr „Arbeitszeit“, falsche Überstunden.
- Plan und Ist nicht verknüpft — Mehrarbeit wird erst in der Abrechnung entdeckt.
- Keine Freigabe — Streit über angeordnete vs. freiwillige Stunden.
- Rundungschaos — unterschiedliche Regeln in Excel und Lohn (15-Minuten-Raster dokumentieren).
- Archiv ohne Zugriffskontrolle — Nachweise bei Prüfung nicht auffindbar.
- Salden nur sammeln — kein Abbau/Auszahlung, bis Konflikt oder Kündigung.
- Gleitzeit mit Überstunden verwechseln — Bandbreite im Konto, Überstunden nur oberhalb Soll.
Viele Fehler lassen sich mit einem klaren Monatsrhythmus vermeiden: Plan veröffentlichen → Ist buchen → Freigabe → Export → Stichprobe durch HR.
Bei Betriebsprüfung oder internem Audit fragen Prüfer selten nur „Gibt es ein System?“, sondern ob du Lücken erklären kannst: fehlende Tage, identische Startzeiten, Überstunden ohne Planänderung. Ein kurzer Audit-Trail (Wer hat wann exportiert, wer hat Freigaben erteilt) spart Wochen Nacharbeit — auch wenn du Papier oder Excel nutzt.
Achte besonders auf Rufbereitschaft und Bereitschaftsdienst: Nicht jede anwesende Stunde zählt voll als Arbeitszeit — falsche Klassifikation verfälscht Überstunden-Salden. Kläre mit Vertrag/Tarif, welche Zeiten als Arbeitszeit gelten, und mappe sie im System als eigene Stundenart.
Checkliste für HR und Schichtleitung
Nutze die Liste beim Rollout neuer Zeiterfassung, vor jedem Monatsabschluss und nach größeren Planänderungen (Saison, neue Filiale). Sie ersetzt keine Rechtsberatung, deckt aber die typischen Lücken beim Überstunden erfassen ab.
Wenn ein Punkt fehlt, priorisiere: erst tägliche Ist-Buchung und Pausen, dann Freigabe, dann Export — ohne Ist-Daten hilft auch die beste Lohnsoftware nicht.
Schnell-Check (10 Punkte):
- Vertragliche Soll-Zeiten und Überstundenklausel bekannt
- Tägliche Erfassung von Beginn, Ende, Pausen
- Freigabe-Regel für ungeplante Mehrarbeit
- Rundungsregel in Handbuch und System identisch
- Arbeitszeitkonto oder Saldenliste aktuell
- Export zur Lohnabrechnung monatlich
- Stichprobe Schichtleitung (wöchentlich) dokumentiert
- Aufbewahrung mind. 2 Jahre, manipulationssicher
- Datenschutz: AV-Vertrag bei Software, Info an Beschäftigte
- Abgleich mit ArbZG-Höchstarbeitszeit (8h/10h, Ruhezeiten)
Fazit
Überstunden erfassen ist kein Excel-Projekt für einmal im Jahr, sondern Teil deiner Zeiterfassung: Plan, Ist, Freigabe, Saldo, Export. Mit klaren Regeln im Schichtbetrieb vermeidest du Nachzahlungen und Bußgelder — und schaffst Fairness für dein Team.
Nächste Schritte:
- Rollen und Fristen schriftlich festhalten (siehe Verantwortlichkeiten oben).
- Eine Methode wählen und einen Monat parallel testen, falls du umstellst.
- Monatsabschluss mit Stichprobe und Export zur Lohnabrechnung verankern.
Wenn du Plan und Ist digital verbinden willst, unterstützt dich Ordio Zeiterfassung mit Schichtplan, App und Auswertungen; Rechtsfragen klärst du weiterhin mit Vertrag, Tarif und dem Lexikon Überstunden.
Keine Rechtsberatung: Prüfe bei Einzelfällen aktuelle Gesetze und deine tariflichen Regelungen.
Häufige Fragen zu Überstunden erfassen
Muss ich jede Überstunde dokumentieren?
Ja. Wenn du überstunden erfassen willst, buchst du jede Stunde über der vertraglichen Soll-Zeit nachvollziehbar — zusammen mit Beginn, Ende und Pausen. Das folgt aus der Zeiterfassungspflicht seit dem BAG-Urteil von 2022. Ohne diese Belege fehlen dir Nachweise bei Betriebsprüfungen, bei Streit über Auszahlung oder beim Abbau von Salden im Arbeitszeitkonto.
Wie erfasse ich Überstunden im Schichtbetrieb?
Vergleiche Schichtplan und Ist-Zeiten, lass ungeplante Mehrarbeit freigeben und führe Plus-Stunden im Arbeitszeitkonto. So gelingt überstunden erfassen im Schichtbetrieb: Planänderungen im System dokumentieren und Pausen auch mobil buchen. Sonst entstehen falsche Salden, wenn Teams und Schichten wechseln.
Kann ich Überstunden mit Excel erfassen?
Ja — überstunden erfassen mit Excel geht, wenn deine Tabelle vollständig, objektiv und manipulationssicher archiviert ist, inklusive Pausen und Stundenarten. Vorlagen findest du im Ratgeber Zeiterfassung Excel. In größeren Betrieben steigen Fehler und Aufwand; dann lohnt sich oft eine App mit Export zur Lohnabrechnung.
Muss der Arbeitgeber Überstunden auszahlen?
Ohne wirksame Vereinbarung über Freizeitausgleich ist Auszahlung der übliche Weg. Tarifvertrag, Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung können stattdessen Freizeitausgleich vorsehen — du darfst das nicht einseitig durchsetzen. Egal ob Auszahlung oder Abbau: Du musst Stunden vorher sauber erfassen, sonst fehlt die Grundlage für die Lohnabrechnung.
Wann ist Freizeitausgleich statt Auszahlung möglich?
Freizeitausgleich ist möglich, wenn das im Arbeitsvertrag, im Tarif oder in einer Betriebsvereinbarung steht. Dokumentiere, wann Stunden abgebaut wurden — nicht nur Plus-Salden sammeln. Mehr zu Fristen und Abbau: Lexikon Überstundenabbau. Wenn der Ausgleich nicht rechtzeitig klappt, kann Auszahlungspflicht entstehen.
Wie lange muss ich Überstunden-Nachweise aufbewahren?
Arbeitszeitnachweise musst du mindestens zwei Jahre aufbewahren; die Frist beginnt mit dem Ende des Kalenderjahres der Aufzeichnung. Das gilt für Papier, Excel und digitale Exporte — Zugriff und Integrität müssen bei Prüfungen möglich sein. Wer regelmäßig überstunden erfasst, archiviert auch Freigaben und Exporte revisionssicher, nicht nur die Rohbuchungen.
Was passiert, wenn Überstunden nicht erfasst wurden?
Du riskierst Nachzahlungen, Bußgelder wegen fehlender Dokumentation und trägst in vielen Streitfällen die Beweislast. Beschäftigte können Mehrarbeit plausibel machen, auch wenn dein System leer ist. Deshalb solltest du Überstunden von Anfang an mit der allgemeinen Zeiterfassung verzahnen — nicht erst, wenn die Lohnabrechnung Fragen aufwirft.
Ab wann zählen Minuten als Überstunde?
Überstunden beginnen, sobald die vereinbarte tägliche oder wöchentliche Arbeitszeit überschritten ist — nicht erst ab einer festen Minutenzahl, sofern der Vertrag nichts anderes regelt. Für die Lohnabrechnung kann ein 15-Minuten-Raster vereinbart sein; halte die Regel in Handbuch und System identisch. So vermeidest du Rundungsstreit zwischen HR und Beschäftigten.
Dürfen Beschäftigte Überstunden selbst buchen?
Ja — Selbsterfassung per App, Terminal oder Stundenzettel ist üblich und entlastet die Schichtleitung. Du bleibst als Arbeitgeber für Vollständigkeit und Richtigkeit verantwortlich: Freigaben, Stichproben und klare Korrekturfristen sind Pflicht. Ohne Kontrolle entstehen Lücken, die bei Prüfungen teuer werden.
Welche Bußgelder drohen bei fehlender Zeiterfassung?
Verstöße gegen Aufzeichnungspflichten können nach ArbZG mit Bußgeldern bis zu 30.000 Euro geahndet werden. Fehlende Nachweise erschweren die Abwehr von Überstunden-Forderungen, weil du Mehrarbeit nicht widerlegen kannst. Hintergrund und Checkliste: Ratgeber Zeiterfassung Gesetz. Papier, Excel oder Software — aber konsequent archivieren.











